Lippenbekenntnisse meiner Generation

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Jede Generation hat seine eigenen Herausforderungen und Prägungen. So wandeln sich über die Zeiten auch die Prioritäten und die Thematiken, die den meisten Menschen meines Alters wichtig sind und am Herzen liegen. Im Vergleich zu früheren Generationen ist meine Generation jedoch grossteils, was die innere Ausrichtung betrifft, ziellos und nur auf das kurzfristige eigene egoistische Wohl bedacht.

Die Fähigkeit langfristig zu denken und zu handeln ging durch die modernen Verlockungen unserer heutigen Wohlstands- und Spassgesellschaft verloren. Meine Generation kennt kaum gemeinsame Bestrebungen mehr und ist somit im Gesamten orientierungslos. Frühere Generationen hatten beispielsweise durch Kriege und Hungersnöte grobe Einschnitte in ihr Leben, wodurch neue Lehren gezogen wurden. Die jetzige Generation in Mittel- und Westeuropa hat üblicherweise nur materiell keine gesellschaftlichen Katastrophen zu verzeichnen, im Inneren verrohen aber die Werte und Prinzipien, die so überhaupt nicht mehr mit den Gesetzen des Lebens konform gehen. Diese Entwicklung wird sich vor dem Hintergrund der anwachsenden Erdbevölkerung noch an uns selbst und unseren Kindern rächen und grosses Leid herbeiführen. Dies möchte ich durch eine Gegenüberstellungen mit den zwei vorherigen Generationen beweisen.

Die Generation meiner Grosseltern, die das Alter von ca. 35 Jahren in den 30er, 40er und 50er Jahren hatte, war überwiegend damit bemüht, sich durch landwirtschaftliche Arbeit oder ein solides Handwerk Tag ein, Tag aus ihr täglich Brot zu verdienen. Die ganze Familie stand regelmässig morgens um 5 Uhr auf und noch bevor die Schule begann, halfen die Kinder im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb mit. Die Kühe hatten vor dem Schulbeginn gemolken zu werden und auf dem Hof mussten noch notwendige Arbeiten verrichtet werden. Nach der Schule und den Hausaufgaben gingen auch die Schüler auf dem Land nachmittags auf das Kartoffelfeld um Unkraut zu jäten, Kartoffeln zu ziehen oder Hopfen zu ernten und sich ein paar Pfennige hinzuzuverdienen. Nur eine kleine Schicht des Bürgertums hatte die finanziellen und standesmässigen Möglichkeiten, sich durch ein Studium fortzubilden und dann einen höhergestellten Beruf in der Stadt auszuüben. Diese Möglichkeiten wurden dann auch ergriffen um die Errungenschaften von Physikern, Mathematikern, Elektrotechnikern, Maschinenbauern und Ingenieuren dem Gemeinwohl zugänglich zu machen. So wurden vorallem durch die Mittel- und Oberschicht in den Städten die Grundlagen für den aufkommenden Wohlstand der Gesellschaft geschaffen. Maschinen wurden produziert und die Errungenschaften der modernen Technik durchdrangen Regionen abseits der grossen Städte. Die harte und auslaugende körperliche Arbeit auf dem Feld und Hof wurde weniger, Knechte wurden nicht mehr benötigt, die Industrialisierung der Landwirtschaft schreitete auf dem Land voran. Die abgelegensten Dörfer wurden elektrifiziert, Kieswege verbreitert und asphaltiert, Bahnlinien gebaut und die Grundlagen unserer modernen Industrialisierung und Infrastruktur gelegt. Die ländlich geprägte Generation meiner Grosseltern arbeitete hart im Einklang mit der Natur und sie wusste auch wofür: für die eigenen Nahrung, ein Dach über dem Kopf und das Glück ihrer Kinder.

 

In diese Zeit fiel auch der zweite Weltkrieg. Durch blindem Gehorsam wurde oft ohne eine Ahnung in den Krieg gezogen. Die Menschenverbrechen, die begangen wurden, sind in ihrem Ausmass abscheulichst. Die Generation war ungleich der heutigen grossteils unaufgeklärt, unbelesen und ein Widerstand wurde mit Haft, Zwangslager oder Tod bestraft. Die Anfälligkeit für Rassismus, rechtes Gedankengut war auch die Folge eines Lebens, das ohne überregionale Medien, Bildung, Nachrichten und ohne Fernseher etc. verbracht wurde. Der eigene geographische Horizont ging vielfach nur bis zur nächsten Grossstadt. Unzensierte und unabhängige Informationen, die freie Meinungsbildung fördern, waren schwer zugänglich. Es fehlten unabhängige überregionale Zeitungen und Meldungen. So wurde von zu vielen auf die Meinung von Blendern und Manipulatoren vertraut und die Gruppendynamik nahm seinen bekannten Lauf. Im Krieg und in der Anonymität liessen viele alle ihre Hemmungen fallen und so wurden schlimmste Gewaltverbrechen begangen. Die Unfähigkeit gesamthaft Widerstand zu leisten und sich nicht einem verbrecherischem Machtsystem zu beugen führten zu einem weltweiten Desaster. Doch nicht alle waren blinde Gefolgsleute. In den Städten und in den Dörfern waren viele, die ohne weite Reisen um die Menschenrechte wussten und die Oberen Gefahr ihres Lebens anprangerten, sei es auch weil sie selbst noch im ersten Weltkrieg beteiligt waren.

 

Die zweite und nachfolgende Generation, die ich umschreiben will, hatte ein Alter von ca. 35 Jahren in den 70er, 80er und 90er Jahren. Sie zog genauso durch den zweiten Weltkrieg die Lehren. Sie war stets darauf bedacht, nun die Werte eines friedlichen Zusammenlebens innerhalb einer Völkergemeinschaft hochzuhalten. Die nun weit verbrreitete Erkenntnis, dass Hautfarbe und ein ferner Geburtsort nicht den Charakter und die Persönlichkeit bilden, setzte sich auch in der Aussenpolitik fest. Das Vertrauen in seinen Mitmenschen der Nachbarschaft war gross, denn alle hatten gemeinsames Leid erfahren und fast jeder hatte Angehörige im Krieg verloren. So entwickelte sich das Bewusstsein um die Werte eines gerechten Lebens weiter. Die Menschen wurden über die Jahrzehnte nach dem Krieg toleranter, weltoffener, brüderlicher und hilfsbereiter.

Parallel dazu schritt in der Nachkriegsgeneration die Technisierung und Automatisierung der Arbeit und des Privathaushalts weiter voran. Staubsauger, Kühlschränke, Farbfernseher, ein eigenes Automobil und ein Eigenheim waren nun für den Mittelstand erschwinglich. Kredite für den Aufbau einer Fabrik oder eines eigenen Hauses wurden vergeben und konnten durch ehrliche Arbeit auch zurückgezahlt werden. Um materiell wieder aufrecht stehen zu können, packten alle miteinander an. Die Schäden aus dem Krieg mussten behoben werden. Zwanzig Jahre nach dem Weltkrieg war dies überwiegend geschafft und es konnte ein Wohlstand erreicht werden, der den vor dem Krieg übertraf. In dieser materiellen Absicherung konnte in der Mittelschicht grossteils auch ein heimeliches Familienleben aufgebaut werden. Während der Vater Vollzeit im Büro arbeitete, übernahm die Mutter den Haushalt, die Küche und die Erziehung der Kinder. Dies darum, da das Geld auch bei einer Halbtagsarbeit der Mutter ausreichte. Weibliche Qualitäten kamen so den Kindern und dem Mann zu Gute. Zusätzlich engagierte sich die Mutter gewöhnlich ehrenamtlich in der Dorf- oder Stadtgemeinschaft. Die Gesellschaft war in einem materiellen Aufbruch, Eigenheime oder sogar ein eigenes Haus wurden aufgebaut und es war zeitlich möglich den eigenen Kindern nachmittags bei den Hausaufgaben zu helfen. Die Familien waren im Wohlstand nicht zerrüttet, gutbürgerliche Werte wurden gepflegt und an die Kinder weitergegeben. Die Strukturen des Zusammenlebens gründeten meist auf einer ehrenwerten Ordnung, da der materielle Mangel weniger wurde. Die Möglichkeit zum Studium und zu einer höheren Ausbildung standen nun zusehends auch Kindern von einfachen Arbeiterfamilien offen. Auch für meine Elterngeneration war das gesamthafte und übergeordnete Ziel die materielle Absicherung der Kinder und das Glück auf dem individuellen Lebensweg.

 

Zur gleichen Zeit wächst jedoch parallel dazu die natur- und damit lebensfeindliche Überbevölkerung an, ein Verschlinger menschlichen Lebens. Das Ungeheuer wirft in anderen Ländern schon vielfach seine todweihende Früchte ab und wird stetig grösser. Die Erdbevölkerung überschreitet Anfang der 60er Jahre die 3 Milliarden-Marke und Ende der 70er Jahre sogar schon die 4 Milliarden-Grenze. Im westlichen Staatenbund hat Deutschland als eine der wenigen Länder wirtschaftliche Beziehungen zu rohstoffreichen Kolonialmächten und erdölfördernden Ländern. Deshalb werden Rohstoffe wie Erze, seltene Erden, Rohöle im Ausland zunehmend gefördert und in nur wenige Länder, darunter Deutschland, exportiert. Deutschland an sich ist schon seit jeher rohstoffarm. Nur Braunkohle ist als einzig erwähnenswerter nichtnachwachsender Rohstoff selbst förderbar. Doch der Abbau der meist tieferliegenden Braunkohle wird im Vergleich zum Abbau im Tagebau in fernen Ländern zunehmen teurer. Deutschland, das Land der „Dichter und Denker“, wird in der Nachkriegsgeneration auch zum Land der „Ingenieure und Wissenschaftler“, denn der verstandesmässige Rohstoff gleicht den Rohstoffmangel noch, aber immer erschwerlicher, aus.

Der weltweite Bevölkerungsanstieg nimmt nun weiter Fahrt auf. Meine Generation ist noch mehr als alle vorherigen Generationen mit dem Problem konfrontiert, dass der Erdbevölkerungsanstieg nun alle Grenzen durchbrochen hat. Nur wenige Jahre nach der Jahrtausendwende haben wir die 7-Milliarden-Marke erreicht und nicht einmal zehn Jahre später die 8-Milliarden-Grenze.

 

Meine Generation hat nun ein Alter von ca. 35 Jahren ab dem Jahrtausendwechsel. Sie wird von den Folgen der Tatsache eingeholt, dass Länder wie China, Indien, Brasilien, Mexiko, Malaysia, Thailand und andere, allen voran vormalige Entwicklungsländer, einen gehobenen Lebenssandart aufbauen. Sie investieren in Industrieanlagen und produzieren nun selbst industrielle Produkte. Die Bildung und Technik schreitet in diesen Ländern voran. Sie stellen seit geraumer Zeit selbst beste Wissenschaftler und Ingenieure. Jedoch bleibt der weltweit vorhandene Rohstoff an Erzen und Rohölen gleich und muss ungleich zu unseren Elterngenerationen nun mit allen anderen Ländern geteilt werden. Die Folge ist, dass die Preise für Erdöl, Erze usw. usf. steigen. Im globalen Wettbewerb müssen wir immer mehr für unseren Wohlstand arbeiten, denn das Land der „Dichter und Denker“ kann keine Rohstoffe exportieren. Nur verstandesmässige Leistungen, ingenieurtechnische Planungen und fertig produzierten Güter wie Luxusautos werden im Austausch mit den immer weniger werdenden Ölen und Erzen exportiert. Die Arbeit muss in dieser völkerübergreifenden Konkurrenz immer perfekter, schneller, billiger, hochwertiger werden um im globalen Verbund mithalten zu können und keinen Wohlstandsverlust zu erleiden. Ein eigenes Haus zu bauen wird für den gewöhnlichen Mittelschichtler finanziell kaum mehr möglich, er wird hingegen zusehends in Abhängigkeiten von Krediten, Miet- und Leasingsverträgen gedrängt.

Deshalb ist in Wirklichkeit schon lange vor dem Jahrtausendwechsel der frühere Wohlstand meiner Elterngenerationen langsam aber sicher gesunken. Denn die materielle Absicherung wird im Rahmen der steigenden Überbevölkerung stets weniger. Wohlstand ist nicht nur rein materiell, er bemisst sich nicht nur daran, ob ein Computer oder ein Apple-iPhone oder ein deutsches Markenauto vorhanden ist. Die Zeit, die jemand für sich und seine Lieben zur Verfügung hat und die Unabhängigkeit in materiellen Dingen sind dabei die wesentlichen Pfeiler von materieller Absicherung. Diese wird auch manchmal Humankapital genannt. Der Grossteil meiner Generation erkennt die Entwicklung des verschwindenden Humankapitals nicht, entweder aus Unwissen, Unerfahrenheit oder schlicht aus Ignoranz und Dummheit.

So gut wie jeder Arbeitnehmer in meinem Alter ist Vollzeit in seinen Beruf eingespannt und muss vertraglich mindestens 40 Stunden die Woche arbeiten. In der Angst um den eigenen Arbeitsplatz werden jedoch gerne unbezahlte Überstunden und weite Einsätze von zu Hause in Kauf genommen. Auch Samstags- und Feiertagsarbeit werden akzeptiert. In diesem Eingespanntsein müssen nun auch auch die Frauen ganztags arbeiten, Kleinkinder werden deswegen in Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen abgeschoben. Es bleibt immer weniger Zeit für die Erziehung der eigenen Kinder, da die Chefs die ständige Bereitschaft für den Job voraussetzen. So wird auch die frühkindliche Bindung zu den Eltern korrumpiert, wenn Kindererziehung an fremde Menschen abgegeben und ein Verlagern der Erziehungsverantwortlichkeiten betrieben wird. Auch ist heutzutage die Anzahl von Zweitarbeitsstellen auf ein Rekordniveau gestiegen, da vielen Arbeitnehmern das Geld durch eine schon auslaugende erste Stelle nicht ausreicht. Parallel dazu existieren immer mehr Arbeitslose, die nicht mehr in Statistiken auftauchen, weil sie schlicht und einfach durch Tricks weggerechnet werden. Die vertraglich arbeitenden Menschen malochen oft über ihre Leistungsgrenze hinaus und gehen nicht selten physisch und psychisch vor die Hunde, wenngleich die Kaufkraft immer weniger wird. Eine zunehmende Zahl von Erwerbslosen hingegen würde gerne Arbeit abnehmen und nicht nur in Abhängigkeit von Verwandtschaft und Hilfsbereiten Personen in den Tag hinein leben. Verwaltungstechnische Vorgaben und die Angst vor den Behörden werden jedoch von beiden Seiten als wichtiger eingestuft. Es wäre eigentlich so einfach Arbeit abzugeben und neu zu verteilen und ein wenig Zeit für eine Arbeitseinweisung zu investieren. Doch für letztere bleibt in einer von Überbevölkerung auf hoher Drehzahl laufenden Arbeitsmarktmaschinerie anscheinend keine Zeit mehr. Der Arbeitsmarkt sucht nur perfekte, aalglatte und wie ein fertiges Produkt ausgelieferte Arbeitnehmer, die nicht mehr angelernt werden müssen und 1:1 auf eine Stellenannonce passen.

Dies sind nur einige Beispiele aus dem Arbeitsleben. Eine weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist diese, dass wo früher an der Spitze von Firmen und Konzernen noch Ingenieure , Wissenschaftler oder ganz einfach Experten ihres Faches sassen, nun diese Positionen heutzutage von Kaufmännern und Bankern übernommen wurden. Das ist beispielsweise bei halbstaatlichen Konzernen wie der Deutschen Bahn der Fall, wie auch bei Krankenhäusern oder Chemiekonzernen. Es steht einzig und allein der materielle Gewinn für wenige Personen im Vordergrund, das für langfristigen Erfolg nötige Fachwissen in der Materie wird immer weniger wichtig. Meine Generation lässt sich vom Geld blenden, setzt keine Grenzen und überlässt die verantwortlichsten Postionen in den Firmen oder gar in der Gesellschaft Blendern, Kaufmännern, Psychopathen und Bankern. Ich selbst habe dies schon im Bereich des erweiterten Gesundheitswesens miterleben können, dass Banker, Betriebswirtschaftler und Kaufmänner die Spitzenpositionen von Krankenhäusern oder Medizintechnikfirmen übernommen haben und wissentlich den eigenen kurzfristigen materiellen Gewinn über das Patientenwohl stellen. Egozentrische Gewinnmaximierungen durchziehen heute alle Firmen, ob sie nun gemeine Konsumgüter oder lebensnotwendige Pharmazeutika oder Schmerzmittel herstellen. Der Jahresabschluss einer Firma ist für die Vorstände im Endeffekt wichtiger, als Menschen langfristig von einer Krankheit oder von Schmerz zu befreien.

Für meine Generation werden ungleich der früheren Äusserlichkeiten immer vorrangiger, was auf die Anonymität der Überbevölkerung zurückzuführen ist. So haben in diesem Umfeld intelligente Psychopathen leichtes Spiel Karriere zu machen und Leute für sich zu gewinnen. Dabei sei erklärt, dass diese Form von Menschen eine Persönlichkeit haben, die durch äusserlichen Charme, grossen Reden, subtiler Manipulation und Suggestion besticht. Es sind perfekte Schauspieler. Diese Menschen sind aber in Wirklichkeit nur auf den egoistischen Vorteil bedacht, nehmen dafür grösstes Leid ihrer Mitmenschen in Kauf, auch weil sie die Fähigkeit zu Mitgefühl und Angst aus rein biologischer Sicht kaum haben.

 

Der überwiegende Teil meiner Generation erkennt in ihrem egoistischen Lebenswandel nicht, dass der Wohlstandsbaum wie ein alter Christbaum von unten her schon angefangen hat zu nadeln und dies schon seit vielen Jahren. Anstatt die Ursachen zu bekämpfen und sich für eine weltweite Geburtenregelung einzusetzen, werden lieber Partys gefeiert oder Grillfestlichkeiten zu Fussballweltmeisterschaften abgehalten. Es wird abends in Lokale gegangen, sich betrunken und über Belanglosigkeiten geschwafelt. Das ganze „Halli-Galli“-Leben dient möglicherweise nur dem Ziel, den beruflichen Stress konzentriert und in kürzester Zeit abzubauen. Dies ist meiner Ansicht nach eine nutzlose Strategie. Arbeitsmässiger Stress kann nicht mit Partystress kompensiert werden. Allein durch Meditation würde ein fundamentaler Ausgleich erfolgen können. Durch die tägliche Meditation gibt das Bewusstsein Hinweise auf eine nachhaltige Lösung des beruflichen Stresses.

 

Der Grossteil meiner Generation ist ungleich der früheren Generationen ziellos, wenn es darin geht wahrhaftig nachhaltige und für das Leben erbauliche Ziele zu haben, zu fördern oder zu erstreben. Dies äussert sich in der Gleichgültigkeit gegenüber Mitmenschen. Arbeitskollegen werden beispielsweise mehr als Konkurrenz empfunden, anstatt als Mitarbeiter, die einem übergeordnetem Ziel verbunden sind. Die Überbevölkerung lässt eine Ellbogenmentalität entstehen, in der der einzelne nur noch auf seinen eigenen Vorteil schaut. Wahre Freundschaften werden immer seltener, im Berufsleben existieren nur der Karriere dienende Kontakte. So sind Bekanntschaften heutzutage grösstenteils oberflächlich, Probleme werden und können nicht mehr im Vertrauen unter Freunden behandelt und gelöst werden. Schwächen bei Mitmenschen werden als potentielle Angriffspunkte vorgehalten um sie im richtigen Moment aufzudecken und seinen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen. Der Grossteil meiner Generation verpflichtet sich wie bereits erwähnt dem Geld und dem eigenen persönlichen materiellen Gewinn. Diese egomane Mentalität entstand auch oftmals aus einem Verwöhntwerden durch die eigenen Eltern, die meist ein Leben lang für die materielle Absicherung ihrer Kinder geschuftet haben. In diesem materiellen Wohlbehütetsein hat aber meine Nachkommengeneration nur wenige wahrhaftige Erkenntnisse um die Gesetze des Lebens gewonnen. Meine Generation kennt im Allgemeinen Leid nur durch Dokumentationen aus dem Fernsehen oder durch Hörensagen. Ich verwehre mich jemandem anderen Leid zu wünschen, jedoch in Anbetracht der Tatsache, dass grosses Leid durch die Auswirkungen der Überbevölkerung bevorsteht, wäre es angebracht sich gedanklich und gefühlsmässig darauf vorzubereiten, wie wir den zukünftigen Zeiten begegnen werden.

 

Meine Generation hat im grossen und Ganzen nur gelernt, wie durch schöne Kleidung, gutes Aussehen und fesches Stylen, hippen Freizeitbeschäftigungen, oberflächliche Bekanntschaften, Küngeleieien und korruptes Verhalten, grossen aber inhaltslosen Reden und mit Statussymbolen wie Autos oder Smartphones der Erfolg im Berufs- und Privatleben zu verzeichnen ist. Meine Generation räumt den Bankern und Kaufmännern grössere Rechte und Kompetenzen ein, als diese fähig sind zu verteidigen oder zu tragen. Meine gleichaltrigen Mitbürger lassen es vor dem Hintergrund der anwachsenden Überbevölkerung zu, dass ein Wirtschaftssystem der Ausbeutung und Ungleichheit grassiert und sich ausdehnt, dass die soziale Schere auseinandergeht und echte Leistungsträger in der Arbeitswelt ausgebeutet werden. Hingegen kassieren wenige Bosse ab und halten für sich eine arbeitssame Bevölkerungsschicht wie Sklaven. Diese malocht in den Fabriken, am Bau oder im Büro und die Oberen kassieren immer mehr und immer parasitärer ab. Ein aufgeblasenes deutsches Gefüge, bestehend aus kaufmännischer Bürokratie, einem aufgeblähten Steuersystem, verwaltungslastigen Behörden und Finanzsystemen gibt ganzen Berufsgruppen wie Bankern, Steuerberatern, Börsenmaklern, Kaufmännern, Verwaltungsfachangestellten und zuhältergleichen Zeitarbeitsfirmen eine zusätzliche Existenzberechtigung, die in ihrer grossen Anzahl gar nicht existieren dürfte, wenn der ganze Saustall aus eigens geschaffenen berufseigenen Verordungen und Paragraphen schon längst ausmistet worden wäre. Wird es in diesen Systemen für die Bosse und Politiker einmal eng, dann kaufen sie sich in ihrem begangenen Unrecht bei Bedarf Anwälte und Juristen, die das Unrecht dann in Recht verbiegen oder Gesetze zu ihrem eigenen Vorteil auslegen werden.

 

Meine Generation schaut diesem Treiben und dieser Entwicklung tatenlos und gleichgültig hinzu. Sie versteift sich hingegen dazu in kompensatorische Betätigungsfelder. Viele meiner Altersgenossen engagieren sich beispielsweise für spezielle Tierschutzorganisationen, die in Rumänien, Bulgarien oder Griechenland streunenden Hunde einfangen und sie nach Deutschland karren. Diese Gutmenschen meinen durch solche Aktivitäten ein besserer Mensch zu sein, wenngleich in ihrer Nachbarschaft, nämlich in deutschen landwirtschaftlichen Betrieben, durch Gewinnmaximierung Millionen Kälber, Kühe, Schweine, Geflügel und verschiedene Säugetiere dahinsiechen und gequält werden.

 

So sind viele meiner Altersgenossen oft auch Mitglieder in Umweltschutzorganisationen, die mal hier und mal da einen Flecken grün pflanzen und dabei aus den Augen verlieren, dass durch die Überbevölkerung Jahr für Jahr mehr deutsche Ackerfläche zubetoniert und versiegelt wird als eine Umweltschutzorganisation wieder bepflanzen kann. Meine Altersgenossen geben sich nur ein grünes Anlitz, das aber in Wirklichkeit reine Heuchelei und Verlogenheit ist und nur den Zweck hat sich in der Gesellschaft als Gutmensch zu verkaufen. Denn jeglicher Umweltschutz kann nur dann nachhaltig sein, wenn gleichzeitig etwas gegen die Überbevölkerung getan wird. Denn diese ist die Wurzel allen Übels. Doch meine Generation traut sich nicht diese Wahrheit auszusprechen, sie ist schlicht und einfach zu feige. Aber dieses Schweigen ist auch berechnend. Der Mensch ist bekanntlich gerne Mitglied in einem Rudel. Und in solch einem oder in einer Gruppe würde man sich unbeliebt machen. Eventuelle Avancen auf eine Partnerschaft oder auf intime Beziehung könnten gleich begraben werden. Die Erde oder das eigene Land als überbevölkert anzusehen, das hiesse ja im Verständnis dieser unlogisch denkenden Menschen gleichzeitig keine Kinder zu lieben. Jede Frau und jeder Mann würde, so sind die Gedanken, sich doch von solch einem Kinderfeind abwenden. Also engagieren sich die meisten lieber in einer Umweltschutzorganisation und verleihen sich nur ein grünes Anlitz um den eigenen vermeintlichen gesellschaftlichen Wert aufzuwerten. Hausierengehen ist bei jungen Menschen, Firmen und Politikern an der Tagesordnung, wenn es um den Umweltschutz geht oder um den Einsatz von Benachteiligten. Es steht also bei genauerer Betrachtung doch nimmer nur der Eigennutz an erster Stelle. Anstatt echten Einsatz für die Ursachenbekämpfung von Problemen zu leisten, ist man der Einfachheit wegen nur Mitläufer und verkauft sich in der Öffentlichkeit, auf facebook, twitter und den Medien als Weltretter. Auch Firmen spielen in diesem System des Reinwaschens mit und verleihen sich gegenseitig Umweltsigel. Dazu ernährt sich der Bürger ein wenig vegan und kauft laut Hersteller „fair“ gefertigte Produkte. Und schon ist zudem das Gewissen beruhigt und man hat angeblich wieder einmal mitgeholfen, die Welt zu retten. Doch in dieser Welt wurde rein, aber auch gar nichts Positives umgesetzt. Es wurde in Wirklichkeit keinerlei Verbesserung zum Guten erreicht. Denn in der selben Zeit, in der versucht wurde, die Welt zum Guten zu ändern, hat der weltweiten Bevölkerungsanstieg, der Mensch und Erde immer mehr ausbeutet, jede kleinste Verbesserung wieder zunichte gemacht.

 

Das ganze Handeln meiner Generation bzgl. einer Weltverbesserung geschieht also nach dem Prinzip, ein Tröpfchen Umweltschutz hier und ein Quäntchen Menschenrechte und Gutbürgertum dort. Dann ist man dabei. Und da der Horizont des Gewissens und des Bewusstseins nicht weit ausgedehnt ist und man verstandesmässig in Wirklichkeit noch strohdumm um die Entstehung und die Urschen menschlichen Leids ist, kann man sich schnell selbst beruhigen. Der Horizont möchte auch nicht zu stark expandiert werden, da dies schliesslich auch ein grösseres Unrechtsempfinden und eine höhere Einsatzbereitschaft einfordern würde. Das Motto lautet „was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss“. Von Grund auf und nachhaltig wird von den meisten meiner Generation nichts angegangen. Ein wahrer Menschenfreund und echter Kämpfer für sein eigenes Glück, das seiner Mitmenschen und seiner Nachfolgegenerationen jedoch setzt sich für die nachhaltige Lösung grundlegender Probleme ein, welche ihn jetzt, zukünftig und vorallem auch seine Kinder betreffen werden. Zu diesen Problemen zählt eben die grassierende Ursache Überbevölkerung, deren Folgen und Wirkungen ALLE anderen Problematiken auf der Erde nach sich ziehen.

 

Meine Generation in Deutschland schafft den Spagat, als Land einerseits drittstärkster Exporteur von Waffen auf der Welt zu sein und gleichzeitig das Leid von Millionen von durch Bürgerkriegen in bspw. Syrien verursachten Flüchtlingen zu beklagen. Berufliches und Privatleben sind schliesslich zu trennen. Das oft auf der einen Seite im Beruf ausgelöste Unheil wird deshalb für viele Menschen wieder durch die Mitarbeit in Kirche, katholischer Landjugend oder sozialen Verbänden oder Vereinen wettgemacht. Diese schizophrene Logik, dass Böses mit guten Taten aufgearbeitet werden kann und das Unheil nicht zuerst von Grund auf abgeschafft wird, ist bezeichnend für meine Generation.

Genauso verhält es sich vielfach mit der Erkenntnis vom Fortschreiten des Klimawandels. Dem Grossteil meiner Generation ist bewusst geworden, dass der Klimawandel extreme Wetterereignisse, Überflutungen, Tornados, Starkregen usw. usf. nach sich ziehen wird. Beweise sind hierfür heutzutage schon zu genüge vorhanden. Innerhalb von zehn Jahren gab es z.B. in Deutschland zwei Jahrhundertüberschwemmungen. Mehrere Zehntausende sind 2013 bei einem Taifun auf den Phillipinen ums Leben gekommen, hunderttausende obdachlos geworden. Pfingsten 2014 war das heisseste Pfingsten seit den Wetteraufzeichnungen und die daraus entstandenen Wärmegewitter in der feuchtheissen Luft waren in Nordrhein-Westfalen die verheerendsten in dem Bundesland seit Menschengedenken. Aber um sich selbst ein grünes Anlitz zu geben, wird ein Hybridauto gefahren oder für Greenpeace gespendet oder eine Umweltmesse organisiert, auf denen sich Grosskonzerne grünwaschen und sich sonst politische Bonzenparteien grün schmücken. So pflanzt auch die Industrie für neue Flächenversiegelungen als Ausgleich Bäume oder rechnet sich mit kruden Berechnungen den Kohlendioxidausstoss schön. Es ist dies eine Gesellschaft der Maskerade, des schönen Scheins und des Beschönigens, des Herauszögerns bis zum Gehtnichtmehr, des kurzfristigen Denkens, bis einen die Auswirkungen der Überbevölkerung persönlich treffen. Lippenbekenntnisse, Scheinheiligkeiten und Unehrlichkeiten vorallem zu sich selbst, sind auch heute noch klassische Verhaltensmuster, weil es ja darum geht, zuallererst bei falschen Freunden beliebt zu sein.

 

Die aktuelle für mich gleichaltrige Generation hätte eigentlich ungleich der früheren durch die Informationsgesellschaft alle Voraussetzungen den richtigen Weg einzuschlagen. Fast jedes Kind hatte in der Schule ein Mindestmass an Bildung erhalten und ist oft auch darüber ausführlichst informiert worden, dass die Erdbevölkerung rasant zunimmt. Heutigentags gibt es eine Fülle von Informationen im Internetz. Hier sind sachliche und unverfälschte Informationen zugänglich, es braucht nicht mehr auf die Informationen von propagandistischen Medien und Nachrichten vertraut werden. Dadurch, dass fast alle Menschen der Erde miteinander informationstechnisch verbunden sind kann Wissen nicht mehr so einfach zurückgehalten werden. Man ist nun fähig, sich selbst fortzubilden, Wahrheiten von z.B. religiösen Irrlehren zu trennen und die Naturgesetze zu verstehen und anzuwenden. Und wer ein wenig Verstand hat, würde hier sofort den Zusammenhang zwischen stetig wachsender Erdbevölkerung und menschlichem Leid erkennen.

Im Gegensatz zu unseren früheren Generationen wäre also der Kampf um die Überbevölkerung, der Einsatz für eine weltweite Geburtenregelung ein gemeinsames, aktuelles und hehres Ziel. Doch bis es dazu kommt muss erst bei den meisten eine persönliche Verbindung zum eigenen Leid hergestellt werden, denn der Mensch geht gewöhnlich nur den Weg des geringsten Widerstandes, dies zuallererst beim Denken.

 

In den kommenden Jahrzehnten werden die sozialen Ungleichheiten, die gesellschaftlichen Extrema, die Ausbeutungen, die Menschenrechtsverletzungen in Deutschland und weltweit durch die Überbevölkerung zunehmen. Die Kinder meiner Generation werden sich womöglich fragen, was ihre Eltern den ganzen lieben Tag gemacht haben, ausser Grillfeste zur Ablenkung, gegenseitiges Ausstechen im Privat- und Berufsleben und das Anhäufen von Statussymbolen. Sie werden sich fragen ob die vielen privat oder beruflich bedingten Reisen ins Ausland ihren Eltern den persönlichen Horizont erweitert haben. Nebenbei werden die Kinder meiner Generation sich irrend gezwungen fühlen, mit allen nicht ehrenwerten Mitteln um ihr eigenes persönliches Fortkommen zu kämpfen, denn sie werden in der weltweiten Überbevölkerung untereinander anonymer und austauschbarer. In den daraus entstandenen Zwangslagen wird meine nachfolgende Generation vermehrt Menschenrechtsverletzungen begehen, mit Flüchtlingsströmen zu kämpfen haben und zu wenig Geld für gesunde oder überhaupt grundsätzlich für Lebensmittel haben. Deutsche Ackerflächen werden noch mehr versiegelt oder unfruchtbar sein, da Grosskonzerne und Grosspolitiker sich mehr der Wirtschaft verschreiben als der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Korruption wird grassieren, Lobbyismus wird sich noch weiter ausdehnen und ehrliche Arbeit immer weniger vergütet werden. Die Technisierung und Automatisierung wird zugenommen haben, aber den Wohlstand für die unteren Gesellschaftsschichten nicht vermehren. Die Menschen werden noch gleichgültiger und egositischer. Es geht nur noch um das eigene Überleben und das eigene materielle Fortkommen, Zeit für Mitmenschlichkeit wird als ressourcenverschwendend angesehen. Ein Grossteil der Bevölkerung wird arbeitslos sein, wohin hingegen die arbeitende Bevölkerungsschicht sich physisch und psychisch ruiniert. Wenn die Überbevölkerung weiter ansteigt ist es eine logische Folge, dass auf globaler Ebene noch mehr Kriege als heute um Rohstoffe geführt werden. Politiker werden Vorwände suchen, militärische Einsätze zu rechtfertigen und sie werden die eigene Bevölkerung noch stärker manipulieren und an der Nase herumführen. Der Mittelstand wird fast verschwunden sein und die Gesellschaftsstruktur gleicht einer fast abgelaufenen Sanduhr: nur wenige Menschen sind noch in der oberen Hälfte, in der Mitte ist fast gar nichts, und viele Menschen rieseln in die unteren Hälfte. Der Wohlstandsbaum hat fast alle seine Nadeln fallen gelassen, nur an der Spitze wird er noch leicht grün sein. Die Erde im Topf ist jedoch trocken und nicht nährstoffreich für den zu gross gewordenen Baum.

 

Meine nachfolgende Generation wird ein ein Alter von ca. 35 Jahren in den 30er, 40er und 50er Jahren dieses Jahrhunderts haben. Sie wird es durch die Überbevölkerung noch schwerer als ich haben. Wir machen uns durch unsere Verlogenheit, Gleichgültigkeit, durch unseren Egoismus, unsere Spassgesellschaft und unserem Nichthandeln gegenüber unseren Nachkommen schuldig. Durch den Start und die Einführung einer weltweiten gerechten Geburtenregelung werden wir uns ein wenig unseren Kindern gegenüber rechtfertigen können, wenn sie uns fragen, ob wir nicht etwas unternommen hätten. Sie würden uns sonst absolute Verantwortungslosigkeit vorwerfen, denn die Informationen über den Bevölkerungsanstieg und deren Folgen waren ja für alle öffentlich zugänglich und nachvollziehbar gewesen.

 

Stefan Anderl, 31. Januar 2015

 

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