Kommentar - Journalisten von heute sind Marketingprofis

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Redaktion des Axel-Springer-Verlags

Foto: Redaktion des Axel-Springer-Verlags, Quelle: wikipedia, CC BY-SA 3.0


Als Fünfunddreissigjähriger interessiere ich mich stets für das aktuelle Weltgeschehen. So bin ich darauf angewiesen, mich anhand der Medien über das Tagesgeschehen zu informieren. Um mich auf dem Laufenden zu halten, lese ich deswegen alle paar Tage die Printausgaben der Lokalzeitungen meiner Heimatstadt und fast täglich informiere ich mich im Internetz über diverse online-Nachrichtenseiten bekannter Presseorgane. Diese sind u.a. sueddeutsche.de, focus.de, spiegel.de, zeit.de oder ähnliche.

Die gedruckten Presseerzeugnisse meiner Heimatstadt geben Auskunft über lokale Ereignisse wie Lokalpolitik, Wirtschaft, Vereinsleben oder Lokalsport. Man soll beim Verbessern der Welt ja zuerst bei sich selbst und seiner Umgebung anfangen, weswegen die Wichtigkeit lokaler Nachrichten nicht zu unterschätzen ist. Die heimischen Presseerzeugnisse einer Kleinstadt haben aber auch einen Presseteil, der überregionale Nachrichten aus aller Welt bereit hält. Dort werden dann fast ausschliesslich Artikel der grossen Nachrichtenagenturen wie dpa, Reuters oder AP abgedruckt. Erfreulicherweise sind die Nachrichtenseiten im Internetz jedoch viel breiter aufgestellt: Hintergrundberichte, Essays , Kommentare, Eilmeldungen zu vielerlei Ereignissen auf der ganzen Welt werden bereitgehalten. Das Autorenspektrum ist sehr breitgefächert. Viele freie Journalisten arbeiten den Nachrichtenportalen zu und veröffentlichen dort ihre Artikel.

 

Auf den ersten Eindruck erscheint dieser Wandel hin zur Demokratisierung und Öffnung der journalistischen Arbeit hin zu vielen unterschiedlichen Schreiberlingen als grosser Fortschritt. Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass v.a. im Internetz auf den grossen Nachrichtenseiten sich prozentual immer mehr qualitativ minderwertige Artikel tummeln, die weniger dem Anspruch einer neutral-sachlichen Berichterstattung dienen, sondern vielmehr einer Selbstdarstellung der eigenen Person. Der Artikel und sein Inhalt stehen weniger im Vordergrund als der Autor selbst.

 

 

Journalisten, die sich selbst vermarkten

 

V.a. solch eine Nachrichtenseite wie spiegel.de strotzt nur so von Journalisten, die schon auf der Startseite ihr Porträt resp. Ihr Konterfei zur Schau bieten. Wird dann der Artikel angeklickt, ist neben dem Porträt des Verfassers nicht selten auch gleich der Twitter-account, die facebook-Seite, die instagram- oder die printerest- Seite des Autors und auch noch die E-Post-Adresse verlinkt. Für mich ist diese Einfärbung der Artikel mit einem Porträt gleich zu Beginn eine Beeinflussungsnahme. So sollen ja auch bei Bewerbungen für eine Arbeitsstelle zwecks der Neutralität idealerweise keine Fotos beigefügt werden oder es soll nicht die Verfilmung eines Buches zuerst angesehen werden, bevor man das Buch liest. Es sollte schliesslich zuallererst um Sachlichkeit und Inhalt gehen und man sollte sich unbeeinflusst seine Meinung bilden können. Als ich vor etwa einem Jahr bei Spiegel-online auf diesen Missstand bei mehreren Redakteuren durch E-Post hingewiesen habe, wurde dieser jeweils als unbegründet durch eine Antwort-E-Post hinweggefegt. Ich schätze, dass ein Nachrichtenportal bunt sein muss, viele Fotos haben soll, damit es einen hohen Besucherstrom generiert. Nur so können die Mietpreise für Anzeigen und Annoncen maximiert werden.

Spiegel-Redakteure Jan Fleischhauer und Jakob Augstein
Foto: Spiegel-Redakteure Jan Fleischhauer und Jakob Augstein; Quelle: wikipedia, CC BY 2.0

Viel schlimmer als die graphische Selbstdarstellung erscheint mir aber auf diesen Nachrichtenseiten der Inhalt. Er ist oft agitativ und meinungsbildend, in dem Sinne, dass heutzutage immer öfter die Gültigkeit des eigenen Artikels als allumfassend angesehen wird. Die Artikel werden nicht als Kommentar oder Meinung gekennzeichnet, obwohl sie oftmals keine neutral-sachliche Berichterstattung von sich geben. Die Autoren geben vor, ein Presseerzeugnis im Sinne einer Berichterstattung abzugeben, in Wirklichkeit versuchen sie aber oft nur ihre eigene Meinung bei der breiten Öffentlichkeit durchzusetzen, wobei gleichzeitig konträre Ansichten gleich vorneweg missbilligend und vorauseilend als nicht berechtigt abgetan werden oder relevante Tatsachen zensiert und ausgeblendet werden.

 

Aktuelles Beispiel dafür ist für mich die Einwanderungs- und Flüchtlingsbewegung nach Europa. Der allgemeine Tenor der Autoren bei spiegel-online ist die, dass jeder, der dem Zustrom eine zahlenmässige Obergrenze geben will, ein latenter Rechtsradikaler ist. Leider hat es aber spiegel-online schon immer verpasst, neben den Rüstungsexporten in die Herkunftsländer der Flüchtlinge jemals auf die eigentliche Grundursache von Flucht, nämlich auf die Überbevölkerung, auf die enormen Geburtenraten und auf die Bevölkerungsexplosion im Nahen Osten, Afrika und Vorderasien hinzuweisen. So werden von dem Nachrichtenportal hochtrabende und akademisch aufgebauschte Erklärartikel wie z.B. mit dem Titel „Fakten zur Flüchtlingskrise – Endlich verständlich“ veröffentlicht. Die hatten aber noch nie den demographischen Bevölkerungsanstieg zum Thema- sei es aus Dummheit oder Tabu.

 

Die Artikel sind meiner Ansicht nach also einseitig und unausgewogen, geben keinen Platz zur Diskussion. So ist es auch nicht verwunderlich, dass zu etwa 90 % aller Artikel, die ein heikles politisches Thema zum Gegenstand haben, die Kommentarfunktion unter den Artikeln abgeschaltet wird. Auf meine Nachfrage, wieso dies so häufig ist, wurde mir geantwortet, dass die Diskussion in eine „Redundanzschleife des Immergleichen münden“ würde „was in aller Regel zu keiner fruchtbaren Debatte, sondern lediglich zu einer Sammlung stereotyper Inhalte oder Entrüstungen führt. Oft auch, weil es schon etliche Diskussionen zuvor gab, die ähnlich monoton verlaufen sind.“ Dies ist eine ziemlich trickreiche Vorgehensweise und Begründung, wenn man andere Meinungen von vornherein unterbinden will. Und auch wenn man sachlich auf eine unbändige Vermehrungswut hinweist, die zu Armut, Hunger, Wohnungsmangel und somit auch zur Flucht führt, wird ein solcher den Tatsachen entsprechender Kommentar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht freigeschaltet.

 

Ausserdem kann man sich nicht sicher sein, von Spiegel-online als Rassist eingestuft zu werden, schliesslich hat man ja den ausgearteten und selbstschädigenden Fortpflanzungstrieb eines Volkes angesprochen. Dann wird der Begriff Rassismus über seine eigentliche Definition, die nur von einer Ungleichbehandlung und Diskriminierung aufgrund von Äusserlichkeiten oder Herkunft spricht, erweitert. Es werden so unliebsame, tabuisierte Wahrheiten versucht unter den Hut des Rassismus zu bringen, um den unwiderlegbaren Tatsachen gleich vorneweg eine negative Konnotation zu geben.

 

Die online-Nachrichtenportale sind in den letzten Jahrzehnten deswegen so aufgeblüht, da sie mit dem Internetz ein breiteres und oft auch ungebildeteres Publikum erreichen konnten. So haben sich nun auch Autoren hochgeschrieben, die offensichtlich nicht so genau Wert auf journalistisch genaue Handwerksarbeit legen. Der Artikel-Quickie scheint Standard zu sein, es wird versucht auf die Kürze seine Meinung kundzutun und zu indoktrinieren, sich selbst darzustellen und jede widersprüchliche Meinung von vornherein z.B. als ausländerfeindlich, rassistisch oder rechtspopulistisch abzutun. Die Abwägung zwischen echtem Elend resp. Hilfenotwendigkeit und Falschhumanismus kann wegen der Diskussionsbeschneidung nicht mehr gefunden werden.

 

 

Verpolitisierung der Meinungen und Tatsachen

 

Heutzutage wird also von Journalisten jede Meinung einer Person, ganz im Sinne der Politiker, sofort einem politischen Lager zugeordnet. Auch der gewöhnliche Bürger denkt mittlerweile schon in dieser Kategorie. So wird eine unpolitisch denkende und neutral handelnde Person ohne seine Einwilligung in eine bestimmte parteipolitische Schublade gesteckt. In dem Sinne, dass wer eine bestimmte Äusserung macht, er diejenige Partei wählt und Politik betreiben will und also auch Leute für sich gewinnen will. Selbst gesprochene und geschriebene Tatsachen werden zum Anlass genommen, aus einer Privatperson sofort eine politisch handelnde Person zu machen. Man wird sozusagen in der Öffentlichkeit zuerst als Anhängsel einer Partei wahrgenommen, als ein Befürworter eines Parteiprogramms oder als ein Gegner, als vielmehr eine selbstständig denkende Person. Der Bürger wird so im Interesse der Politiker instrumentalisiert, damit man auch stereotyp abverurteilen kann, ihn in eine politische Ecke drängen kann und so bestimmte Personengruppen gegeneinander ausspielen kann, wenn es nötig erscheint. Auch ist es für die Köpfe einfacher und schneller, einen bisher unbekannten Menschen stereotyp gleich in eine Schublade zu stecken, als seine Ausführungen unabhängig zu prüfen.

Wenn aber in der Gesellschaft alles gleich verpolitisiert wird, kann z.B. auch keine neutrale Debatte über die Überbevölkerung entstehen. Die Ursachen und Auswirkungen von Flucht werden auch nicht mehr begriffen, wenn jeder sofort an Politik denkt und es vermeidet in die Tiefe zu denken.

 

 

Presserat und Pressekodex

 

Wie Journalisten, welche nicht zu unrecht auch als vierte Macht des Staates bezeichnet werden, arbeiten sollten, lässt der Deutsche Presserat verlautbaren. Sein Pressekodex existiert schon seit 1973. Er ist in 16 Ziffern bzw. Leitfäden aufgegliedert, die da z.B. wären: „Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde“, „Sorgfalt“, „Richtigstellung“, Grenzen der Recherche“, „Berufsgeheimnis“, „Trennung von Werbung und Redaktion“, „Schutz der Persönlichkeit“, „Weltanschauung, Religion, Sitte“, „Sensationsberichterstattung, Jugendschutz“ oder „Unschuldsvermutung“. Diese Ziffern werden detailliert und grundsätzlich erklärt und sollten nicht nur wie im Jahre 1973 Grundlage für Printmedien sein, sondern auch für heutige online-Medien. Lese ich heutzutage im Internetz aber Artikel bekannter Nachrichtenportale, denke ich mir, dass die Autoren oftmals noch nie von diesem Pressekodex gehört haben, was durchaus wahrscheinlich ist, wenn jeder freie Journalist, der in seinem Metier kein Studium oder Ausbildung genossen hat, Artikel veröffentlichen darf.

Besonders online-Nachrichtenportale manipulieren und berichten nicht sachlich; Bildquelle: pixabay.com, Lizenz: CC0 Public Domain
Besonders online-Nachrichtenportale manipulieren und berichten nicht sachlich; Bildquelle: pixabay.com, Lizenz: CC0 Public Domain

 

Hält sich ein Autor nicht an den Pressekodex oder besteht der Verdacht dafür, kann ein jeder Leser sich an den Presserat wenden, der dann die Angelegenheit prüft. Wird eine Beschwerde als berechtigt eingestuft, so sollte aus Eigenverpflichtung von dem fehlbaren Presseorgan eine Rügenveröffentlichung abgedruckt werden. Doch soweit kommt es heute nur in den seltensten Fällen:

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass nämlich auch der deutsche Presserat als Organisation mittlerweile nicht mehr sachlich auf Basis seines eigenen Kodexes arbeitet, sondern selbst schon politisch eingefärbt ist. Denn eine von mir selbst eingereichte Beschwerde über einen online-Artikel eines bekannten Nachrichtenportals beim Deutschen Presserat hatte keine weiteren Auswirkungen. Bei dem besagten Artikel (http://www.focus.de/digital/internet/facebook/ausmisten-mit-einem-klick-...). wurde zum Facebook-Stalking politisch Andersdenkender aufgerufen und es wurde zum „Ausmisten“ dieser Personengruppe in der Freundesliste aufgerufen. Das „Ausmisten“ ist ein Begriff, der von Diktatoren und Menschenrechtsverbrechern schon oft benutzt wurde um Menschen mit Exkrementen gleichzusetzen und Verbrechen zu rechtfertigen. Doch der Presserat schickte mir nach mehreren Wochen zwei Papierseiten zu und schaffte es darin tatsächlich mit einer unglaublichen fadenscheinigen und sich um alle Tatsachen windende Begründung den Artikel als mit dem Pressekodex konform einzustufen.

 

Der Presserat ist somit oft nur ein Fähnchen im Wind. Wenn der politischen Korrektheit in Berlin widersprochen wird, nimmt er dies aber schnell zum Anlass zur Rüge. Eine ähnliche Organisation, nämlich der Deutschen Werberat, ist auch ziemlich einseitig und rügt laut eigener Statistiken fast nur zum Thema Frauendiskriminierung, Männer oder andere Minderheiten sind meist aussen vor.

 

 

Populisten und Meinungsdiktatoren in den Chefredaktionen

 

Die Zeiten haben sich definitiv geändert. Früher waren ganz andere Grössen, ja richtige Denker an der Spitze der journalistischen Landschaft zugegen. Es waren dies Personen, die sich die Lebenserfahrung selbst einholten, nicht selten mit dem Tod ringen mussten und unter Lebensgefahr recherchierten. Es waren dies z.B. Grössen wie Peter Scholl-Latour, Rudolf Augstein, Marion Gräfin Dönhoff oder Frank Schirrmacher. Sie waren Vordenker, Aufklärer und Warner, die aber trotzdem und doch jedem die Freiheit liessen eine andere Meinung zu haben. Es waren dies nicht nur Journalisten, sondern auch erfolgreiche Buchautoren.

 

Heute aber hat sich eine ganz eigene „Kaste“ an die Spitze und Chefredaktionen der grossen Tages-, Wochen- und Online-Zeitungen hochgeschrieben oder muss man besser sagen, hochvermarktet? Es sind dies Leute, bei deren Namen man zuerst an deren Konterfei und nicht an deren Sätze, Wörter und Buchstaben denkt. Ganz einfach, weil sie zuallererst keine reinen Schreiberlinge sind und nicht wie ihre Vorgänger bisher grosse Gedankengänge zu Papier gebracht haben. Sondern sie sind oft nur Prominente und Personen des öffentlichen Lebens, die sich lieber bei Filmpremieren, Regierungsbällen, Talkshows und Sektempfängen mit Canapé blicken lassen anstatt, dass sie unter widrigsten Bedingungen im Ausland an Reportagen arbeiten, in stillen Kämmerlein auf der Schreibmaschine resp. Tastatur tippen oder mit Gewissensbissen zwischen politischem Geheimnisverrat und journalistischer Aufklärung abwägen müssen. Es sind dies Journalisten, die oft auch nur vom ideellen Erbe ihrer Väter und Zeitschriften zehren, sich nie emanzipiert haben und vielleicht aus diesem Grund andere in ihrer Meinungsfreiheit beschränken wollen, wie z.B. der Sohn des Rudolf Augstein, Jakob Augstein. Jakob Augstein hat dabei z.B. kürzlich dank seiner sprachlichen Raffinesse trickreich einen jeden, der nur kritische Fragen in der Flüchtlingsdebatte stellt, als „Braunen“ hingestellt (Zitat: „Kommen mit den Flüchtlingen die Terroristen? Droht die Islamisierung des Abendlandes? Ruhig, Brauner!"). Es ist dies ein „Konzept“ das der Spiegel und auch andere Presseorgane seit einiger Zeit verfolgen, jeden politisch andersdenkenden, Kritiker oder sich Sorgen machende Bürger gleich als Rassisten und Rechtsradikalen abzustempeln, auch wenn nur auf die Grundursache, dem karnickelhaften Bevölkerungsanstieg in den Herkunftsländern der Flüchtlinge hingewiesen wird und zu Gegenmassnahmen wie eine Geburtenregelung aufgerufen wird.

In dem Zusammenhang ist auch der Spiegel-online Redakteur Jan Fleischhauer zu nennen, der sogar zu weniger Demokratie aufruft („Weniger Demokratie wagen!“), weil er es in seiner Eitelkeit nicht dulden kann, dass sich im Internetz nun auch Bürger mit niedrigerem Bildungsabschluss an Diskussionen beteiligen und ihre dem Herrn Fleischhauer nicht passende Meinung in teils nicht spinetter Sprache äussern. Gleichzeitig meint er aber, dass „ein nicht unbeträchtlicher Teil der Wählerschaft zu desinteressiert oder zu betrunken ist, um am Wahltag aus dem Bett zu finden“, weswegen er ihnen die Beteiligung an der Demokratie absprechen will. Doch auch die Dummen, wenn sie denn welche sind, haben stets ein Recht auf Meinungsäusserung. Herr Fleischhauer wird deswegen so herablassend und überheblich, weil er es in seiner Eitelkeit noch nicht verkraftet, dass nun durch die sozialen Medien auch andere ein Publikum für ihre Meinungen finden.

 

Neben dem „Spiegel“, die blauäugig, linksblinde und jugendfurore Boulevardzeitung für Möchtegernintellektuelle und feministisch hippvegane Naivstudenten, haben die klassischen Boulevardzeitungen in den seltensten Fällen höherwertige Reportagen oder Artikel zustande gebracht. Der Bild-Chef-Redakteur Kai Diekmann kann als Prototyp des neuen schmierigen aber offensichtlich erfolgreichen und populären Journalismus gelten. Kai Diekmann, ein Selbstdarsteller der seinesgleichen und stets die Öffentlichkeit sucht, der auf fast jedem roten Teppich und vor fast jeder Kamera vorzufinden ist. Er resp. Die Bild diffamiert, polemisiert, provoziert, klagt an und fällt ohne Beweise Urteile über Verdächtige und Angeklagte, ohne je einen Richterspruch abwarten zu können. Ein Mann dessen Artikel, oder soll man besser sagen Ergüsse, nur Beiwerk seiner Selbstdarstellung, Selbstverliebtheit und seines Narzissmus sind, mit dem Ziel seine Popularität in den Medien und sozialen Netzwerken auf Kosten anderer noch weiter zu steigern. Doch sind mir manche Boulevard-Journalisten wie Franz-Josef-Wagner (Post von Wagner in Bild) allemal lieber, wenn sie ihre Artikel ehrlich als Meinung und Kommentar kennzeichnen und dabei vielleicht den guten Geschmack verlassen. Unausstehlich empfinde ich hingegen Akademiker, die mit komplizierten Texten und verdrehten Tatsachen den Leser an der Nase herumführen.

Die Suche nach der Wahrheit erweist sich als teilweise unmöglich; Bildquelle: pixabay.com; CC0 Public Domain
Die Suche nach der Wahrheit erweist sich bei den heutigen Journalisten als teilweise unmöglich; Bildquelle: pixabay.com; CC0 Public Domain

In den Büros der Chefredaktionen und Herausgeber sitzen also heute vornehmlich entweder die Dümmeren oder die Manipulatoren, was ja auch logisch ist, denn sie bedienen das Gross des Volkes, das durchschnittlich nur gedanklich leicht zu verarbeitende Kost in der durch den Überbevölkerungsdruck zustandegekommenen Hektik aufzunehmen vermag. Da erscheint es auch zu kompliziert den Klimawandel mit der Vervierfachung der Erdbevölkerung innerhalb von einhundert Jahren zu erklären. Obwohl für die Süddeutsche Zeitung und den Spiegel im Wissenschaftsressort teils promovierte Wissenschaftler z.B. über die aktuellen Errungenschaften von Physiknobelpreisträgern schreiben können, findet die einfachste aller einfachen Zusammenhänge, nämlich, dass mehr Menschen mehr Treibhausgasaustoss verursachen, keinen Zugang in das durch akademischen Müll vollgeladene Hirn. Die Forderung nach einer weltweiten gerechten Geburtenregelung als erste friedliche Lösung der ganzen Problematik kann dann natürlich desweiteren nicht verstanden und nicht vom Bewusstsein aufgenommen werden.

 

 

Der niedrige Anspruch der Leserschaft

 

Auch die Bestsellerlisten von Büchern haben seit einigen Jahrzehnten einen enormen Wandel erfahren. An den Spitzen der Bestsellerlisten sind nicht Grass, Handke, Kishon oder Bulgakow, nein, heute sind dort Bücher von Dieter Bohlen, Schauspielern, diversen Komikern und Fernsehköchen vorzufinden. Bildbände und die leichte schriftstellerische Kost haben in der Literatur Einzug gehalten. Es sind dies eine Fast-Food-Bellestrik und oberflächliche Sachbücher, die so erfolgreich geworden sind, dass sie in den Buchläden deswegen an vorderster Stelle ausgelegt werden. Oft sind die Bücher auch meist nur von Ghostwritern geschrieben und tragen dabei nur den Namen eines Prominenten, der seine reingewaschene Biographie verkaufen will. Das alles hat nur den Zweck, einen schnellen Verkaufserfolg zu generieren. Werke von Goethe, Shakespeare oder Schiller hingegen werden heutzutage offensichtlich nur noch in mancher Oberstufe einer Schule gelesen oder wenn Germanistik oder Theaterwissenschaften studiert werden. Dann müssen die Bücher extra bestellt werden, da sie meist nicht mal vorrätig sind.

 

Der ursprüngliche klassische Bildungsbürger, der in seinem Bücherregal die Meister Deutscher Literatur vorrätig hielt und auch über deren Inhalt mindestens grob Bescheid wusste, stirbt aus:

 

„Der klassische Bildungsbürger wird langsam abgelöst durch ein akademisch zertifiziertes, aber intellektuell desinteressiertes Diplom-Proletariat aus Ärzten, Juristen, Lehrern, Bankern und Ingenieuren. (…) In solchen Runden wird nicht mehr deklamiert, propagiert, agitiert, musiziert, rezitiert und aus zu grossen Flaschen zu schlechter Rotwein getrunken. (…) Stattdessen ergeht man sich in der Kommentierung der unmittelbaren Gegenwart: grosse Pfeffermühlen, der perfekte Garzeitpunkt des Fleisches, Herkunft und ideale Röstung von Kaffee, der Preis der Weinflasche, die neueste Sorte Himalajasalz.“ (siehe http://www.nzz.ch/meinung/debatte/das-gastmahl-der-geistlosen-1.18576787)

 

Gleichgeschaltete Presseagenturen -

freie Nachrichtenportale –

private Internetzseiten

weltweit gleichgeschaltete Presseagenturen; Bildquelle. pixabay.com; Lizenz: CC0 Public Domain
Weltweit gleichgeschaltete Presseagenturen; Bildquelle: pixabay.com; Lizenz: CC0 Public Domain

Grossartige, neue Gedanken generierende und tiefergehende Texte finden sich also nicht an der Oberfläche der grossen Tageszeitungen und in den grossen Nachrichtenportalen des Internetzes, genauso wie dies auch nicht von Reden der Spitzen der Politik und Wirtschaft zu erwarten wäre. Für das eigene Bewusstsein nachhallende Artikel sind vielmehr in den Tiefen des Internetzes versteckt. Nur durch Zufall oder durch verworrenen Wege stösst man auf freie Schreiber, arbeitslose Philosophen oder karrieretechnisch Gescheiterte mit teils privaten Internetzseiten, die unbemerkt von der Öffentlichkeit ihre Gedankengänge kundtun. Mag sein, dass neben den gewöhnlichen Reportagen in den Wochenendausgaben das ein oder andere mal ein ausführlicher Dokumentationsartikel in einem Printmedium erscheint, doch bleibt dies heute immer häufiger die Ausnahme. Es gibt aber momentan eine hoffnungsmachende Bewegung im Internetz: Immer mehr freie Nachrichtenportale spriessen aus dem Untergrund. Dorthin kann ein jeder einen Artikel einsenden und um Veröffentlichung bitten. Es ist selbstredend, dass diese Portale ungleich der etablierten und bekannten stets an Zuspruch und Besucherströmen gewinnen, da sie weniger zensieren und eine demokratische Beteiligung bei den Artikelthemen erlauben. Bisher tabuisierte Debatten, zur politischen Korrektheit konträre Meinungen, kritische Stellungnahmen und unzensierte Artikel erblicken hier das Licht der Öffentlichkeit (z.B.: neopresse.org, de.sputniknews.com, nachrichtenspiegel.de, pressejournalismus.com oder rtdeutsch.com).

 

Die grossen Tageszeitungen hingegen sind heute immer noch von gleichgeschalteten und strömlinienförmigen Presseagentur-Nachrichten durchsetzt und haben fast jegliche Streitbarkeit verloren. Man kann die eine Zeitung mit der anderen austauschen, wenn wie so häufig dpa, AP oder Reuters als Grundlage von Nachrichten verwendet werden. Nicht viel anders ist es bei den bekannten online-Nachrichtenseiten im Internetz: Wird die eine Nachrichtenseite mit einer Meldung aktualisiert, dauert es nicht weniger als fünf Minuten, bis alle anderen Nachrichtenseiten die selbe Meldung an selber Stelle veröffentlicht haben. Alle weiteren redaktionseigenen Artikel sind überwiegend der leichten Kost zuzuordnen oder dienen nur der Selbstdarstellung und ungekennzeichneten privaten Meinungsaufdrängung der eigenen Journalisten.

 

 

Rückständige Fernsehanstalten

 

 

traditionelle Fernsehanstalten sind rückständig, verdrehen, zensieren und verfälschen im Sinne der Bundesregierung; Bildquellen: wikipedia.org; Lizenz: gemeinfrei
traditionelle Fernsehanstalten sind rückständig, verdrehen, zensieren und verfälschen im Sinne der Bundesregierung; Bildquellen: wikipedia.org; Lizenz: gemeinfrei

Nicht viel anders ist die Angelegenheit bei den Fernsehanstalten zu bewerten. Deren Redaktionen konsumieren und verbreiten auch nur von den hiesigen Presseagenturen, die grossteils von angelsächsischen Meinungsmachern durchsetzt sind oder sie übernehmen gleich direkt die Presseerzeugnisse U.S.-amerikanischer Fernsehsender. Dann werden z.B. Schneestürme in den U.S.A. in Mitteleuropa tagelang zu Schlagzeilen und Live-Reportagen erhoben, wenngleich sich noch kein Fernsehsender richtig engagiert hat, Hungerkatastrophen in Äthiopien oder Taifunkatastrophen in Südostasien live einzufangen. Wenn in Afrika, im Nahen Osten oder in Asien jemand an der selben Ursache wie ein U.S.-Amerikaner stirbt, ist dies der deutschen Presse kaum eine Meldung wert, da sie ihren Blick stets Richtung Westen richtet. Für die deutsche Presse ist sozusagen ein U.S.-Amerikaner ca. 50 mal wichtiger als ein Asiate. Und es muss ein für Nachrichten relevantes Ereignis schon mindestens 1000 Afrikanern auf einmal widerfahren, bevor es an die selbe prädestinierte Stelle in den Medien gelangt, die ein gleiches Ereignis erlangen würde, das nur einem einzigen U.S.-Amerikaner ereilt. Es ist offensichtlich auch zur Gewohnheit geworden und keiner weiteren Meldung wert, wenn täglich laut Statistiken 20´000 Menschen, v.a. Kinder, verhungern oder an den Folgen von Hunger sterben.

Was die aktuelle Flüchtlingsdebatte in den öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten betrifft, ist meiner Meinung nach die Moderatorin Anja Reschke ein nicht nachzuahmendes Beispiel. Für sie ist das Fernsehen eine reine Schaubühne um sich selbst darzustellen. Anja Rescke gibt in den Tagesthemen zur Flüchtlingsdebatte Kommentare ab, die vorsätzlich die Empörung provozieren, indem sie ganz bewusst aufwiegelt und manchen Personengruppen demütigt. Das geschieht dadurch, dass gemässigte und kritische Beobachter ähnlich wie bei Jakob Augstein in einen Topf und in einem Satz mit Brandstiftern, Hetzern, Mördern und Schlägern geschmissen resp. erwähnt werden. Diese gewollten Provokationen zielen stets darauf ab, im Nachhinein ganz unschuldig sagen zu können, dass die Reaktionen auf seinen eigenen Kommenatar nicht so ewartet wurden. Ich kann Ihnen aber sagen Frau Reschke, dass Sie keine Befriedung der politischen Diskussionen wollen, sondern nur die Empörung und weiteren Hass, die Sie dann zur Rechtfertigung weiterer Provokationen verwenden. In Ihrer Sucht nach einer selbstgerechten Selbstdarstellung, Öffentlichkeit und Medialität fahren Sie die Provokationsspirale und verlassen den Anstand und die Mässigung. Ein Verhalten, das einem gestandenen Reporter nicht würdig ist und sonst nur vom Pausenhof mancher Problemschulen oder vom Kindergarten bekannt ist.

Fährt ganz bewusst die Provokationsspirale um sich slebst ins anständige Licht zu rücken: Anja Reschke, Bildschirmfoto der Tagesschau
Fährt ganz bewusst die Provokationsspirale um sich selbst ins anständige Licht zu rücken: Anja Reschke, Bildschirmfoto der Tagesthemen

 

Für den einzelnen bleibt die neutrale Informationsbeschaffung also stets eine Gratwanderung: Einerseits sollte man nicht gänzlich auf aktuelle Nachrichten verzichten, andererseits läuft man bei den konventionellen Nachrichtenorganen schnell Gefahr, sich falschen Informationen, Unsachlichkeiten und Beeinflussungsnahmen auszusetzen.

 

 

23.9.2015, Stefan Anderl

 

 

 

Wer schöne Worte redet und ein schmeichlerisches Gehabe zutagelegt, ist selten ehrlich und bezweckt nur heuchlerischen Profit.

 

<Billy>, Die Art zu leben, Vers 8

 

 

Der Mensch soll in seinen Worten aufrichtig und ehrlich sein und in seinen Taten ehrenhaft und umsichtig, damit er vor sich selbst bestehe und vor den Mitmenschen Achtung finde.

 

<Billy>, Die Art zu leben, Vers 280

 

 

Der Mensch verbiete sich den eigenen Lobgesang und halte sich frei von hohlem Geschwätz, denn Eigenlob ist liederlich und Schwätzer sind gefährlich.

 

<Billy>, Die Art zu leben, Vers 281

 

 

Worte der Wahrheit und Wirklichkeit

 

Worte der Wirklichkeit

und der Wahrheit sind

absolut unvergänglich

 

SSC, 12. April 2014,

17.52 h, Billy,

Quelle: http://beam.figu.org/zitate/1436328000/worte-der-wahrheit-und-wirklichkeit

 

 

Die Macht der Worte

 

Die Macht des Wortes ist

voll Kraft und so real wie

der Atem, und zwar ganz

gleich, ob der Mensch das

verstehen kann oder nicht.

 

SSSC, 8. März 2014

23.44 h, Billy

Quelle: http://beam.figu.org/zitate/1435723200/die-macht-des-wortes